Augen auf(!) Berlin.

25.4.2009

Figurfragen Pt. II

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 16:30

Schon wieder Schlecker. In diesem Laden arbeiten meines Wissens drei Damen ganz unterschiedlicher Statur. Die Schlanke, die Dralle und die Dicke. Ich stehe an der Kasse, die sich nur eine Kinderarmlänge vom Ausgang entfernt befindet. Die Kundin vor mir verlässt gerade das Geschäft, ein Mann will den Laden betreten, er trägt eine große Sporttasche über der Schulter, rammelt gegen die Einkaufskörbe, die links von der Tür stehen, die Tür schlägt gegen ein Regal. Während die Kundin aus dem Laden hinaus auf die Straße platzt wie zuviel Fleisch, dass sich seinen Weg durch zu enge Nähte bahnt, rudert der Mann im Geschäft mit den Armen, um das Gleichgewicht zu halten und nicht rücklings in das Regal mit den Müllbeuteln zu stürzen. Er fängt sich wieder, die Tür fällt ins Schloss, der Straßenlärm verhallt, er atmet durch und setzt zum Sprechen an: 

“Ganz schön eng hier!” 

 Die dünne Kassiererin schaut sich um, wirft der Drallen einen grinsenden Blick zu und antwortet: 

“Darum arbeiten ja hier och nur Schlanke!”  

Figurfragen Pt. I

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 16:00

Vor einem Lokal auf der Danziger, ganz nah an der Eberswalder Straße, sitzen zwei kräftige, ältere Damen im regen Treiben, zwischen Ramschläden, Banken und Spätverkäufen. Sie machen Pause in weißen Campingstühlen, deren Lehnen sich unter ihrer Last und Rast bedenklich biegen. Zwei der Stühle an ihrer Tafel haben sie beiseite gestellt, mitten auf den Gehweg, um am Tisch zwei Parkplätze für ihre Rollatoren zu schaffen. An den Handgriffen der Rollatoren hängen Einkaufsnetze, Tüten, die Lederhandtaschen. Sie sitzen da, schlürfen Eiskaffee durch Strohhalme in der flachen Sonne, die gerade noch so über die hohen Gleise der U-Bahn klettert. Die Kellnerin bringt wenig später auf Anweisung der beiden Damen die Rechnung und während diese ihre Brillen hervorkramen und anschließend in ihre großen Portemonnaies greifen, um der Bedienung die abgezählten Münzen über den Tisch zu schieben, entwickelt sich ein kurzes Gespräch. 

Alte Dame 1: “Sagen se ma, wo issen eijentlich ihre Kollejin?”  

 Die Kellnerin versenkt die Münzen mit einem Klimpern in ihrem Kellnerportemonnaie, schaut hoch und fragt: 

Kellnerin: “Welche?” 

 

Alte Dame 1: “Na hier, sie wissen schon, die Kleene, so rothaarig…”

 

Alte Dame 2: ” Ach ja, Mensch, du, die vamiss ick och!”

 

 Die Kellnerin, zunächst ratlos, scheint nun eine Vermutung zu haben, wen die beiden alten Damen meinen könnten. Sie schaut an sich selbst herab und führt ihre Arme mit einer gleitenden Bewegung an ihren Flanken herunter. 

Kellnerin: “Ach, die Kleene, hier, ick weeß, so ‘ne Statur wie icke, wa?” 

 

Alte Dame 1: “Nee, nee, so ‘nen Quatsch, die war schlank!” 

 

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