Augen auf(!) Berlin.

4.6.2009

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 18:22

04062009627.jpg

25.4.2009

Figurfragen Pt. II

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 16:30

Schon wieder Schlecker. In diesem Laden arbeiten meines Wissens drei Damen ganz unterschiedlicher Statur. Die Schlanke, die Dralle und die Dicke. Ich stehe an der Kasse, die sich nur eine Kinderarmlänge vom Ausgang entfernt befindet. Die Kundin vor mir verlässt gerade das Geschäft, ein Mann will den Laden betreten, er trägt eine große Sporttasche über der Schulter, rammelt gegen die Einkaufskörbe, die links von der Tür stehen, die Tür schlägt gegen ein Regal. Während die Kundin aus dem Laden hinaus auf die Straße platzt wie zuviel Fleisch, dass sich seinen Weg durch zu enge Nähte bahnt, rudert der Mann im Geschäft mit den Armen, um das Gleichgewicht zu halten und nicht rücklings in das Regal mit den Müllbeuteln zu stürzen. Er fängt sich wieder, die Tür fällt ins Schloss, der Straßenlärm verhallt, er atmet durch und setzt zum Sprechen an: 

“Ganz schön eng hier!” 

 Die dünne Kassiererin schaut sich um, wirft der Drallen einen grinsenden Blick zu und antwortet: 

“Darum arbeiten ja hier och nur Schlanke!”  

Figurfragen Pt. I

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 16:00

Vor einem Lokal auf der Danziger, ganz nah an der Eberswalder Straße, sitzen zwei kräftige, ältere Damen im regen Treiben, zwischen Ramschläden, Banken und Spätverkäufen. Sie machen Pause in weißen Campingstühlen, deren Lehnen sich unter ihrer Last und Rast bedenklich biegen. Zwei der Stühle an ihrer Tafel haben sie beiseite gestellt, mitten auf den Gehweg, um am Tisch zwei Parkplätze für ihre Rollatoren zu schaffen. An den Handgriffen der Rollatoren hängen Einkaufsnetze, Tüten, die Lederhandtaschen. Sie sitzen da, schlürfen Eiskaffee durch Strohhalme in der flachen Sonne, die gerade noch so über die hohen Gleise der U-Bahn klettert. Die Kellnerin bringt wenig später auf Anweisung der beiden Damen die Rechnung und während diese ihre Brillen hervorkramen und anschließend in ihre großen Portemonnaies greifen, um der Bedienung die abgezählten Münzen über den Tisch zu schieben, entwickelt sich ein kurzes Gespräch. 

Alte Dame 1: “Sagen se ma, wo issen eijentlich ihre Kollejin?”  

 Die Kellnerin versenkt die Münzen mit einem Klimpern in ihrem Kellnerportemonnaie, schaut hoch und fragt: 

Kellnerin: “Welche?” 

 

Alte Dame 1: “Na hier, sie wissen schon, die Kleene, so rothaarig…”

 

Alte Dame 2: ” Ach ja, Mensch, du, die vamiss ick och!”

 

 Die Kellnerin, zunächst ratlos, scheint nun eine Vermutung zu haben, wen die beiden alten Damen meinen könnten. Sie schaut an sich selbst herab und führt ihre Arme mit einer gleitenden Bewegung an ihren Flanken herunter. 

Kellnerin: “Ach, die Kleene, hier, ick weeß, so ‘ne Statur wie icke, wa?” 

 

Alte Dame 1: “Nee, nee, so ‘nen Quatsch, die war schlank!” 

 

26.3.2009

Kommt aber och allet wieder, irgendwann…..

Abgelegt unter: Im Blickfeld — Conrad @ 18:28

26032009571.jpg

25.3.2009

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 13:56

Reisebusse voll mit Touristen, so etwas sieht man mittlerweile häufiger im Kiez. Sie rollen die Kastanienallee hinunter, schlängeln sich durch die Zionskirchstraße, winden sich um spitze Kurven und schwenken rund um den Teutoburger Platz aus. Fotostopps oder Pausen sind für gewöhnlich hier nicht geplant, meist verschwinden die Busse über die Fehrbelliner Straße, biegen nach rechts in die Schönhauser Allee ein und fahren dorthin, wo ihr Anblick kein Kuriosum mehr ist, in Richtung Alex. Die Leute in den Bussen, die nun hin und wieder durch den Kiez brummen, schauen hinaus und sehen alle ein wenig so aus, als verstünden sie zumindest in den Nebenstraßen der Kastanienallee selbst nicht so ganz, warum sie ihre Stadtrundfahrt an diese Orte führt. Sie schauen auch ein bisschen so, als seien sie froh, dass sie in ihrem Bus sitzen, in erhöhter Position, hinter Glas, und der Bus fährt. Steht man am Straßenrand und einer dieser Busse fährt vorbei, treffen einen ganz plötzlich zig touristische Augenpaare, die irgendetwas suchen, an einem selbst, eine Erkenntnis, eine Bestätigung ihrer Vorstellung vom “gemeinen Prenzlauer-Berg-Bewohner, diesem possierlichen Großstadttierchen”. Man fühlt sich für einen Moment so wie der Hauptdarsteller im Film “Sonnenallee”, der einem Bus voller Westverwandtschaft am Grenzübergang hinterher rennt, laut “Hunger” schreiend. Zu gern würde ich wissen, was die Damen oder Herren, die vorn im Bus neben dem Fahrer sitzen, in ihre Mikrofone sprechen, was sie den Gästen mitteilen, über den Prenzlauer Berg, die Menschen, die Kastanienallee. Aber ich kann es mir denken, das lässt mein Interesse dann auch ganz schnell wieder schwinden. Kürzlich hielt ein solcher Bus dann doch einmal an, kurz nachdem die Zionskirchstraße die Choriner kreuzt. Die Warnblinkleuchte ging an, die Türen auf, binnen Sekunden strömten etwa 50 Menschen auf den schmalen Bürgersteig und verschwanden im Gänsemarsch in der Zionskirchstraße in Richtung Teutoburger Platz. Wir standen nur da, mit fragendem Blick, bis einer von uns die Antwort auf eine Frage gab, die keiner stellte: 

“Is bestimmt ‘ne Wohnungsbesichtjung!”     

10.3.2009

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 19:05

Ich betrete den Schlecker auf der Kastanienallee, Ecke Zionskirchstraße. Früher nannte man das Drogerie, das heißt, solch einen Laden nannte man früher einmal Drogerie. Das hier wiederum, diese “Gewerbeeinheit”, hieß einst “Möbel Boremski”. Als ich die Tür öffne, fängt der elektronische Wachhund an zu heulen und bezichtigt mich mit einer lauten Sirene des Diebstahls, obwohl ich noch nicht einen Schritt in den Laden gemacht habe. Die Verkäuferin schaut mich an, fragend, wie ich das wohl gemacht haben könnte. Noch gar nicht da und schon straffällig. Ich vermute, dass die Verkäuferin eines Ladens, in dem ich zuvor war, um ein Hemd zu kaufen, schlichtweg vergessen hat, die Diebstahlsperre vom Hemd abzumachen. Ich fühle mich von den Blicken der Schlecker-Angestellten zu einer Rechtfertigung genötigt, warum ich hier einen solchen Lärm mache und erkläre meine Situation. Sie schaut mich skeptisch an, sagt, dass ich mir ja jetzt hier die Taschen voll machen könne, in ihrer Schlecker-Filiale. Ich versuche sie zu beruhigen und sage: 

“Aber junge Frau, ick bitte Sie, ick bin doch ‘nen ehrlicher Mann!” 

 Sie mustert mich von oben bis unten, ich zweifle, dass mein Kapuzenpullover, die Mütze, der grüne Parka meiner Aussage in ihren Augen Glaubwürdigkeit verleihen. Dann sagt sie einen Satz, der mich so verstört hat, dass ich gar nichts mehr sagen konnte, bis ich, begleitet von einem abermaligen Sirenenheulen und dem hässlichen Lachen der Verkäuferin den Laden verlassen habe: 

“Jaja, erzähln se mir nüscht, ‘n ehrlicher Mann, dit sagen die Fidschis och!” 

9.3.2009

Völker, hört die Signale…

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 19:15

09032009564.jpg

Schicke Milch!

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 19:12

09032009562.jpg

27.2.2009

Zeitlos.

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 16:33

Am Boxi…

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 11:31

© zeikonaut

26.2.2009

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 17:34

In der Textilreinigung. Ein Mann fliegt förmlich in den Laden, so eilig hat er es, den roten Zettel in seiner Hand weit von sich in Richtung Bedienung gestreckt. Er spricht erst, als die Bedienung ihm den Zettel bereits abgenommen hat.

“Tach, ick würd jern meen Anzug abholn.”

Die Bedienung wühlt sich durch die Kleiderständer, schubst Hemden, Hosen und Mäntel beiseite, von seiner Hektik angesteckt, bis sie schließlich den gewünschten Anzug im transparenten Plastesack von der Stange nimmt. Sie drückt dem Kunden die Alu-Bügel, auf denen Hose und Sakko hängen, in die Hand und fragt noch:

“Broochen se vielleicht noch wat zun Duften?”

Der Mann fliegt schon wieder aus dem Laden, seine Antwort wird im Satz schon leiser, er ist schon fast weg, aber immerhin hört man noch:

“Danke, nee, ick dusche regelmäßee.”

20.2.2009

Ein Freund von mir

Abgelegt unter: "Du musst mit deinem Blick durch Städte wandern..." — Conrad @ 18:23

Ich habe einen alten Freund wieder getroffen. Einfach so, durch Zufall. Mit alten Freunden ist das ja immer so eine Sache. Man macht eine Zeit lang viel miteinander, das ist angenehm, dann hört man sich seltener, von Tag zu Tag wird der Kontakt loser. Irgendwann trennen sich die Wege. Meist hat es ja auch einen Grund, dass man sich aus den Augen verliert. Unterschiedliche Interessen, der eine zieht weg, der andere bleibt. Einer sagt etwas, der andere missversteht es, dann wird nicht darüber geredet, man lebt sich auseinander. Ich hatte den alten Freund jedenfalls lange nicht mehr getroffen. Früher trafen wir uns täglich, immer wieder durch Zufall. Er war einfach immer da. Irgendwann, ich weiß gar nicht mehr genau, wann das war, wurden unsere Treffen seltener, nur gelegentlich begegnete er mir noch auf der Kastanienallee und in meinem Kiez. Wenn ich ihn traf, dann meist in anderen Bezirken, außerhalb des Zentrums, da war er dann plötzlich wieder da. Ich habe mir gedacht, wahrscheinlich hat er nun ein Häuschen im Speckgürtel, machen ja viele, irgendwann, habe mich mit der Erkenntnis begnügt, dass mein alter Freund in seinem Garten sitzt, im Liegestuhl. Oder auf einem Balkon in Marzahn, 15. Stock, mit weitem Blick über die Stadt, die Hochhausdächer und das, was nach Berlin kommt.

(weiterlesen…)

17.2.2009

Augen auf London

Abgelegt unter: Im Blickfeld — Conrad @ 21:22

Vergangenheit bewältigt!

Abgelegt unter: Ver(sch)wunden — Conrad @ 21:20

© Norman Briewig (alle Bilder)

Eens is klar: “Allet Arschlöcher!”

Abgelegt unter: Aufgeschnappt — Conrad @ 13:23

In einem Geschäft in Friedrichshain, von dem wahrscheinlich nicht einmal der Besitzer weiß, was es sein soll - Café, Spätverkauf, Imbiss oder Bäcker - sitzen drei junge Männer entlang der linken Wand, verteilt auf drei Tische. Eine Verkäuferin steht neben dem ältesten der drei Männer, ein weiterer Verkäufer auf der rechten Seite, hinterm Tresen. Wir betreten das Geschäft und platzen anscheinend in eine angeregte Unterhaltung, deren Inhalt ich hier unkommentiert im ungefähren Wortlaut wiedergeben möchte.

(weiterlesen…)

Nächste Seite »

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )